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Brauchtum

Neuenhaus und seine Traditionen

Brauchtum und Traditionen

In Neuenhaus werden Traditionen nicht nur bewahrt, sondern bis heute lebendig gelebt. Über das ganze Jahr hinweg prägen besondere Bräuche das kulturelle Leben der Stadt – vom Rübenlaternenbasteln im Herbst über festliche Weihnachts- und Silvestertraditionen bis hin zum Osterbrunnen und der Pingstekrone im Frühjahr.

Viele dieser Bräuche haben eine lange Geschichte und sind eng mit der Region, ihren Menschen und dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet verbunden. Sie erzählen von Gemeinschaft, Handwerk, regionalen Spezialitäten, alten Liedern und besonderen Momenten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Ob beim traditionellen Wachtumzug an Silvester, beim Beijern zur Jahreswende oder beim Schmücken der Pingstekrone: In Neuenhaus wird Brauchtum sichtbar, hörbar und erlebbar. So entsteht ein lebendiger Einblick in die kulturelle Vielfalt der Stadt und in das, was Neuenhaus bis heute besonders macht.

Der Osterbrunnen vor der ev.-ref. Kirche in Neuenhaus
© Samtgemeinde Neuenhaus

Das Bild zeigt den Osterbrunnen vor der ev.-ref. Kirche in Neuenhaus

Osterbrunnen

Der Osterbrunnen in Neuenhaus bringt jedes Jahr frühlingshafte Stimmung in die Stadt. Mit liebevoll geschmückten Zweigen, bunten Ostereiern und traditioneller Dekoration wird der Brunnen zu einem besonderen Blickfang in der Osterzeit.

Der Brauch des Osterbrunnenschmückens steht für den Beginn des Frühlings, für neues Leben und für die Bedeutung des Wassers. In Neuenhaus verbindet der Osterbrunnen diese Tradition mit einem schönen Gemeinschaftsgefühl und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, einen Moment innezuhalten und die osterliche Atmosphäre zu genießen.

Ob beim Spaziergang durch die Innenstadt oder als kleiner Halt während eines Ausflugs: Der Osterbrunnen ist in der Osterzeit ein stimmungsvoller Ort und ein schönes Zeichen gelebter Tradition in Neuenhaus.

Eine Pingstekrone vom Pingstekrone Wettbewerb 2026
© Samtgemeinde Neuenhaus

Das Bild zeigt eine gebastelte Pingstekrone

Pingstekrone

Die Pingstekrone ist ein traditioneller Brauch, der in Neuenhaus zur Pfingstzeit gepflegt wird. Mit frischem Grün, bunten Bändern und liebevoller Dekoration geschmückt, wird sie zu einem besonderen Zeichen für Gemeinschaft, Frühling und gelebtes Brauchtum.

Ein besonderer Bestandteil ist der jährlich stattfindende Wettbewerb. Dabei werden die Pingstekronen mit viel Kreativität und Engagement gestaltet und anschließend bewertet. So entsteht nicht nur ein schöner Blickfang im Ort, sondern auch ein lebendiger Austausch zwischen den Teilnehmenden.

Die Pingstekrone verbindet Tradition, Gemeinschaft und Kreativität. Sie zeigt, wie alte Bräuche in Neuenhaus lebendig bleiben und mit Freude von Generation zu Generation weitergegeben werden.

 

Eine Geschnitzte Rübenlaterne
© Samtgemeinde Neuenhaus

Das Bild zeigt eine geschnitzte Rübenlaterne

Rübenlaternenbasteln

Beim Rübenlaternenbasteln wird ein alter Herbstbrauch lebendig. Aus einfachen Rüben entstehen mit etwas Geschick, Fantasie und Freude am Gestalten ganz besondere Laternen. Die Rüben werden ausgehöhlt, mit Mustern oder Gesichtern verziert und anschließend mit einem Licht zum Leuchten gebracht.

Besonders für Kinder ist das Basteln ein schönes Erlebnis: Sie können kreativ werden, den Umgang mit traditionellen Materialien kennenlernen und am Ende ihre eigene Rübenlaterne mit nach Hause nehmen. Gleichzeitig bietet die Aktion eine gute Gelegenheit, regionale Bräuche auf lebendige Weise zu entdecken.

Das Rübenlaternenbasteln verbindet Tradition, Kreativität und gemeinsames Erleben – und sorgt besonders in der dunkleren Jahreszeit für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Schoosohleneisen über einem offenem Feuer
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Das Bild zeigt das Schoosohlenbacken während des Weihnachts- und Brauchtumsmarktes in Neuenhaus.

Schuhsohlen backen - winterliches Brauchtum in der Grafschaft Bentheim

In der Grafschaft Bentheim werden rund um das Weihnachtsfest und den Jahresausklang alte Traditionen und Bräuche lebendig. Wie in früheren Zeiten werden besondere einheimische Spezialitäten an offenen Feuerstellen zubereitet – von Köchen in historischen Trachten und mit viel Liebe zur regionalen Tradition.

Auf der Speisekarte stehen unter anderem „Ouderwetse Knieperties“, also süße, dünne und knusprige Waffeln nach alter Art. Dazu werden heißer Grog und frisch gebackene „Schohsollen“ angeboten. Der Begriff bedeutet im Hochdeutschen „Schuhsohlen“. Gemeint sind flache, feste Kuchen in der Form einer Schuhsohle, die mit schweren, handgeschmiedeten Kucheneisen über offenem Feuer gebacken werden. Viele dieser Eisen sind mit Mustern, Familiennamen, Wappen oder Bibelversen verziert und werden in Grafschafter Familien seit Generationen weitergegeben.

Ein weiteres kulinarisches Highlight sind die „Kettelhänschen“: kleine, runde Mettwürstchen, die aus einem dampfenden Wasserbad gezogen und traditionell mit Brot und Senf serviert werden.

Die Middewinterhornwanderung in Neuenhaus
© Samtgemeinde Neuenhaus

Das Bild zeigt die Middewinterhornwanderung in Neuenhaus

Middewinterhornblasen

Ein besonderer Brauch ist das Middewinterhornblasen. Traditionell erklingen die Middewinterhörner in der Zeit vom 1. Advent bis zum 6. Januar, dem Dreikönigsfest. Dieser jahrhundertealte Brauch ist vor allem im deutsch-niederländischen Grenzgebiet verbreitet und wird rund um den Jahreswechsel von mehreren Bläsergruppen fortgeführt.

Ursprünglich dienten die Middewinterhörner in vor- und frühchristlicher Zeit als sogenannte „Nothörner“. Mit ihrem Klang konnten Menschen Hilfe herbeirufen oder weit entfernt lebende Nachbarn vor Gefahren wie Hochwasser, Räuberbanden oder anderen Bedrohungen warnen.

Auch zur Wintersonnenwende wurden die Hörner geblasen. Damals sollten sie böse Geister vertreiben und zugleich um gute Ernten, Schutz vor Not und Bewahrung vor Feuer bitten. Heute haben die Middewinterhörner ihre frühere Funktion als Warn- oder Notsignal längst verloren. Ihr Klang steht nun für die Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest.

Das Middewinterhorn ist ein schlichtes Holzblasinstrument mit einer Länge von etwa eineinhalb Metern. Für die Herstellung werden meist Birken-, Erlen- oder Eschenholz verwendet. Die Äste werden zugesägt, getrocknet, ausgehöhlt und anschließend wieder zusammengefügt. Alternativ werden schmale Holzleisten in Hornform verleimt.

Da jedes Middewinterhorn von Hand gefertigt wird und unterschiedliche Holzarten verwendet werden, besitzt jedes Instrument seine eigene Stimmlage. Es erklingen ausschließlich Naturtöne. Damit der besondere Ruf des Middewinterhorns gut wahrgenommen werden kann, sollte die Umgebung möglichst ruhig sein. Bei frostigem Wetter kann der Klang auf freiem Feld bis zu zehn Kilometer weit tragen.

Der Wachtumzug in der Silvester Nacht vor dem alten Rathaus
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Das Bild zeigt den Wachtumzug am Silversterabend in Neuenhaus

De Wacht "Doar kum wij anngetreden, de klok slaat ower tien!"

Eine alte Tradition wird jedes Jahr am Silvesterabend in Neuenhaus lebendig: Beim traditionellen Wachtumzug um 20.00 Uhr begleiten mehrere hundert Bürgerinnen, Bürger und Gäste die Nachtwächter auf ihrem Weg von einem Stadttor zum anderen. Treffpunkt ist das Uelser Tor, Hauptstraße 4.

An festgelegten Stationen blasen die Nachtwächter das Kupferhorn. Anschließend stimmen die Teilnehmenden gemeinsam das alte Wachtlied an. Unterwegs sorgen Gastwirte und Privatleute mit „Flüssigem“ für eine gesellige Stärkung.

„Doar kum wij anngetreden, de klok slaat over tien. Slaapt maar gerust in vreden, wij zullen d'r well to sien. Maakt deur en vensters dicht, bewaard Uw vuur en licht. Gij könt slapen – wij moeten waken. Dat is onse plicht!“

Auch am Neujahrsmorgen wird das neue Jahr traditionell begrüßt. Um 5.00 Uhr findet ein weiterer Wachtumzug statt, bei dem erneut das historische Wachtlied erklingt:

„Het oude Joar is nu vöörbi, het niew is aangekomen; drum wenschen wäi van Harten bläi, foor ü en alle Froomen, denn niewen Geest in't niewe Jahr, glückselig Leewen met elkaar, en Gott moge ons geläiden. Vijf hef de klok – wi scheiden.“

Die Glocke im Kirchturm der ev.-ref. Kirche in Neuenhaus
© Samtgemeinde Neuenhaus

Das Bild zeigt das Beijern in Neuenhaus.

Glockengeläut "Wenn die Glocken hell erklingen"

Ein alter Brauch in Neuenhaus und Veldhausen ist das Beijern zur Jahreswende. Dabei werden die Klöppel der Kirchenglocken mit Seilen angebunden, sodass sie nur kurz gegen die Glockenwand schlagen. So entsteht ein charakteristischer Klang, der sich deutlich vom gewöhnlichen Glockengeläut unterscheidet.

Dieser Brauch war früher jedoch nicht unumstritten. Um 1885 kam es in Neuenhaus zum sogenannten „Beijer-Krieg“. Dem damaligen Regierungsinspektor missfielen die eintönigen Klänge so sehr, dass er das Beijern vollständig verbot. Das sorgte für großen Unmut in der Bevölkerung, besonders bei den Beijerjungs. Verhandlungen über eine Einschränkung des Brauchs waren zuvor erfolglos geblieben.

Am Heiligabend stellte sich die Polizei auf dem Marktplatz auf, doch die Beijerjungs waren schneller: Sie hatten den Kirchturm bereits besetzt. Im Verlauf der Auseinandersetzungen soll dem Beamten sogar eine Fensterscheibe eingeworfen worden sein. Daraufhin verlor er die Nerven und forderte Militär an.

Mit 60 Mann rückten Soldaten aus Lingen nach Neuenhaus aus – in der Erwartung, eine Revolution vorzufinden, sogar scharf geladen. Doch auf den Straßen war niemand zu sehen. Stattdessen konnten die Soldaten an den weihnachtlichen Tanzvergnügungen in Neuenhaus teilnehmen. Der Beamte hingegen wurde kurze Zeit später versetzt.

Zu folgenden Zeiten wird zum Jahreswechsel in Neuenhaus und Veldhausen gebeijert:

Neuenhaus:
24.12.: 17.45 Uhr - 18.30 Uhr
25.12.: 17.30 Uhr - 20.00 Uhr
26.12.: 17.30 Uhr - 21.00 Uhr
31.12.: 18.15 Uhr - 21.30 Uhr
01.01.: 17.30 Uhr - 20.00 Uhr


Veldhausen:
24.12.: 17.00 Uhr - 19.00 Uhr
25.12.: 17.00 Uhr - 19.00 Uhr
26.12.: 17.00 Uhr - 19.00 Uhr
31.12.: 17.00 Uhr - 20.00 Uhr
01.01.: 05.00 Uhr - 07.00 Uhr